
Additive Fertigung steht für Geschwindigkeit, Flexibilität und Innovation. Bauteile entstehen iterativ, Designs werden kurzfristig angepasst, und Produktionsprozesse entwickeln sich dynamisch weiter. Doch genau hier stellt sich für viele Unternehmen die Frage: Wie passt ein strukturiertes Qualitätsmanagement – etwa nach ISO 9001 oder ISO/ASTM 52920 – in diese agile Welt?
Die kurze Antwort: sehr gut – wenn man die Normen richtig versteht.
Normen als Rahmen – nicht als Einschränkung
Sowohl die ISO 9001 als auch die ISO/ASTM 52920 geben keine starren Prozesse vor. Stattdessen definieren sie Anforderungen an ein funktionierendes Managementsystem. Wie dieses konkret umgesetzt wird, bleibt bewusst offen.
Gerade für Unternehmen im 3D-Druck ist das ein entscheidender Vorteil. Denn hier sind Prozesse oft nicht vollständig standardisiert, sondern entwickeln sich kontinuierlich weiter – abhängig von Material, Maschine, Software und Anwendung.
Die ISO 9001 fordert beispielsweise:
ein Verständnis der eigenen Prozesse,
eine risikobasierte Denkweise,
sowie die Fähigkeit zur kontinuierlichen Verbesserung.
Wie diese Anforderungen im Detail umgesetzt werden, ist nicht vorgeschrieben. Das eröffnet Spielräume für pragmatische, schlanke Lösungen – ideal für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
ISO/ASTM 52920: Qualität entlang der additiven Prozesskette
Die ISO/ASTM 52920 konkretisiert diese Anforderungen für die additive Fertigung. Sie betrachtet die gesamte Prozesskette – von der Datenaufbereitung über den Bauprozess bis zur Nachbearbeitung und Prüfung.
Dabei wird deutlich: Qualität im 3D-Druck entsteht nicht erst am fertigen Bauteil, sondern entlang aller Prozessschritte.
Typische Qualitätsaspekte sind:
Datenintegrität ,
Materialhandhabungt,
Prozessüberwachung,
Prüf- und Freigabekriterien.
Auch hier gilt: Die Norm beschreibt, was sichergestellt werden muss – nicht, wie detailliert oder bürokratisch dies zu erfolgen hat.
Agilität und Qualität schließen sich nicht aus
Ein häufiger Irrtum ist, dass Qualitätsmanagement zwangsläufig zu mehr Bürokratie führt. Gerade im Umfeld der additiven Fertigung ist jedoch das Gegenteil sinnvoll.
Ein wirksames QM-System im 3D-Druck sollte:
so schlank wie möglich sein,
sich an realen Prozessen orientieren,
und flexibel auf Änderungen reagieren können.
Das bedeutet zum Beispiel:
Ein einfaches, aber konsequent gepflegtes Parameter-Log kann mehr Mehrwert bieten als umfangreiche, aber selten genutzte Dokumentationen. Ebenso kann ein klar definierter Freigabeprozess für Druckjobs wichtiger sein als ein formal perfektes, aber praxisfernes Handbuch.
Besonders KMU profitieren hier von der Normlogik: Sie dürfen ihre Lösungen so gestalten, dass sie zur eigenen Organisation passen – nicht umgekehrt.
Risikobasierung als Schlüsselprinzip
Sowohl ISO 9001 als auch ISO/ASTM 52920 setzen stark auf risikobasiertes Denken. Im Kontext der additiven Fertigung bedeutet das:
Nicht jeder Prozessschritt braucht die gleiche Tiefe an Dokumentation oder Kontrolle.
Stattdessen sollten Unternehmen gezielt dort strukturieren, wo:
Bauteilanforderungen kritisch sind,
regulatorische Anforderungen bestehen,
oder Fehler hohe Auswirkungen haben.
In weniger kritischen Bereichen kann bewusst pragmatisch gearbeitet werden – ohne die Gesamtqualität zu gefährden.
Qualität als Enabler, nicht als Bremse
Richtig umgesetzt, unterstützt Qualitätsmanagement die Stärken des 3D-Drucks, anstatt sie einzuschränken. Es schafft:
Transparenz in komplexen Prozessen,
Wiederholbarkeit bei variantenreichen Produkten,
und Vertrauen bei Kunden und Partnern.
Gerade in einem technologisch schnell wachsenden Umfeld wird Qualität damit zum Differenzierungsmerkmal.
Fazit
ISO 9001 und ISO/ASTM 52920 sind keine Gegenspieler der agilen additiven Fertigung – sondern deren strukturelle Ergänzung. Sie bieten einen Rahmen, der Stabilität schafft, ohne Flexibilität zu verhindern.
Für KMU im 3D-Druck liegt die Chance darin, diesen Rahmen bewusst pragmatisch zu nutzen: so viel Struktur wie nötig, so viel Freiheit wie möglich.
Denn am Ende gilt auch im Qualitätsmanagement: Gute Lösungen müssen funktionieren – nicht beeindrucken.
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